Rückblick Jahrestagung "The End Of the Liberal Order?"

06.06.2017 (15:08)

Vierte Jahrestagung der Graduiertenschule widmete sich Populismus in Mittel-, Ost- und Südosteuropa

Vom 1. bis 3. Juni fand in Regensburg die vierte Jahreskonferenz der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in Kooperation mit der UCL School of Slavonic and East European Studies statt. Von Donnerstagabend bis Samstagnachmittag diskutieren renommierte Forscherinnen und Forscher verschiedener sozial- und geisteswissenschaftlicher Disziplinen ihre Forschungserkenntnisse zum Phänomen des Populismus in Mittel-, Ost- und Südosteuropa.

In vier englischsprachigen, wissenschaftlichen Vortragspanels sowie in einer stadtöffentlichen Diskussionsrunde mit Journalisten in deutscher Sprache näherte sich die internationale Tagung unterschiedlichen Aspekten des zeitgenössischen Populismus an und diskutierte die Ergebnisse der präsentierten Fallstudien sowie die sich daran anschließenden theoretischen Überlegungen.

Im Mittelpunkt standen populistische Sprachen und Sprechweisen, die Typologisierung populistischer Politik, historische Entwicklungslinien des Populismus in der Region sowie populistische Subjektivitäten. Neben den Fallbeispielen wurden in den Diskussionen immer wieder die Vor- und Nachteile bestimmter Definitionen populistischen Handelns erörtert.

Deutlich wurde, dass Populisten im Kern auf den Gegensatz zwischen einer vermeintlich klar abgrenzbaren gesellschaftlichen "Elite" und dem - ebenfalls vermeintlich homogenen - "einfachen Volk" abzielen, diesen kommunikativ verstärken und daraus einen Handlungsauftrag zur gesellschaftspolitischen Umgestaltung ableiten. Dieser wende sich zuvorderst gegen die als inkompetent, korrupt oder feindlich gebrandmarkte "Elite". Des Weiteren richten sie sich oft gegen "Fremde", die sie dem idealisierten "Volk" nicht zurechnen und als potentiell gefährlich darstellen. Populisten, als selbst ernannte Vertreter des vermeintlich wahren Volkswillens, fänden sich dabei sowohl im linken als auch im rechten politischen Spektrum; in den Fallstudien zu populistischen Praktiken im Raum Mittel-, Ost- und Südosteuropa dominierten gleichwohl Beispiele aus dem rechtskonservativen Milieu.

Eröffnet wurde die Tagung durch eine Keynote des US-amerikanischen Publizisten John B. Judis (Washington, D.C.), der über "The Populist Explosion: How the Great Recession Transformed American and European Politics" sprach. Weitere Keynote-Vorträge steuerten der Medienwissenschaftler Michał Krzyzanowski (Örebro/Liverpool) über "Populism in/and Politicisation and Mediatisation of Immigration: The Case of the ‘Refugee Crisis'" sowie Jan Kubik und Marta Kotwas (London) über "Beyond Populist Politics: Communities of Despair, Rudderless Lives, and Cultures of Redemption" bei.

Am Freitagsabend öffnete sich die Jahrestagung der Regensburger Stadtöffentlichkeit mit einer Podiumsdiskussion in deutscher Sprache. Die Journalisten und Publizisten Gregor Mayer (Budapest), Andreas Ernst (Belgrad/Zürich) und Boris Schumatsky (Berlin) diskutierten die aktuelle Verbreitung populistischer Politik und die damit einhergehende Renaissance autokratischer Herrschaftssysteme in Ungarn, in den Westbalkanländern und in Russland; moderiert wurde die Runde von Marie-Janine Calic (München).

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