Russland, die Ukraine und die Kultur- und Medienpolitik

01.08.2014 (14:07)

Interview des Saarländischen Rundfunks mit Martin Schulze Wessel

Russische Kulturproduktionen sollen in der Ukraine künftig einer Zensur unterliegen, wie unter anderem die Deutsche Nachrichtenagentur diese Woche meldete. Im Gespräch sind eine Zensur für Filme und eine Quote, die die Zahl russischer Bücher auf dem ukrainischen Buchmarkt regulieren soll. Wie sind diese Pläne einzuschätzen? Dazu befragte der Saarländische Rundfunk am 01.08.2014 Martin Schulze Wessel, Münchner Sprecher der Graduiertenschule, in einem Radiointerview.

Der Professor für Osteuropäische Geschichte betrachtet das Unterfangen mit Skepsis. Dass sich die ukrainische nicht sauber von der russischen Kultur abgrenzen lasse, illustrierte er unter anderem mit einem Verweis auf den russischen Schriftsteller Nikolai Gogol (1809-1852), der als Sohn eines ukrainischen Gutbesitzers in seiner Literatur viele ukrainische Themen verarbeitete. Gleichwohl äußerte Schulze Wessel Verständnis dafür, dass die ukrainische Nation einen Prozess der Selbstfindung durchmache, der sich in der gegenwärtigen Situation gegen Russland richte. Dass die bislang geäußerten Absichtserklärungen zu einer Zensur tatsächlich in ein Gesetz münden, hält der Osteuropa-Experte dennoch für unwahrscheinlich. Mit Sorge betrachtet Schulze Wessel dagegen die staatlich gelenkte russische Medienpolitik, die die öffentliche Meinung im Land sehr stark beeinflusse.

 

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