[Seminar] Martin Bubers Philosophie des Dialogs und ihre Weiterentwicklung

17.04.2014 (09:51)

Martin Bubers Philosophie des Dialogs und ihre Weiterentwicklung in den literaturtheoretischen Studien von Michail M. Bachtin und Ludwig Strauss

Zum Semesterabschluss war Julia Matveev vom Center for German and European Studies am Department of Hebrew and Comparative Literature einer Einladung von Dorothee Gelhard gefolgt, gemeinsam ein Seminar über „Martin Bubers Philosophie des Dialogs und ihre Weiterentwicklung in den literaturtheoretischen Studien von Michail M. Bachtin und Ludwig Strauss“ zu halten.

Zur Einführung hielt Julia Matveev einen Vortrag über die Einflüsse Martin Bubers im Werk Bachtins. Sie konnte nachweisen, dass – anders als es die Bachtinforschung in den USA, Kanada und auch in Russland gerne behauptet – Bachtins Nichtnennen des Buberschen Namens nicht ein mehr oder weniger dreister Plagiatsversuch gewesen ist, sondern dem Tribut an Stalins Kulturpolitik geschuldet war. Der Hinweis auf einen religiösen, dazu noch jüdischen Religionsphilosophen war Bachtin weder in der ersten Fassung seines Dostoevskij-Buches 1927 noch in der zweiten von 1963 möglich. Die Lektürespuren von Bubers „Ich und Du“ sind jedoch in beiden Fassungen eindeutig. Julia Matveev schlug daher vor, den Begriff des „Dialogischen“ bei Bachtin weniger als Kommunikation oder zwischenmenschliche Beziehung als vielmehr als Form der „Objektivierung“ des Kunstwerks zu verstehen.

In der anschließenden sehr regen Diskussion wurde u.a. über die Bedeutung religiösen Denkens und religiöser Kategorien in der Literatur- und Kulturpolitik in den 20er und 30er Jahren in Deutschland und Russland diskutiert.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen erweiterte Julia Matveev den Fokus mit einem Kurzreferat über Ludwig Strauss, der Bubers Dialogphilosophie eher als pädagogisches Konzept verstanden hatte. Die nachfolgende Diskussion bezog sich daher auch auf den Zionismus bzw. die kulturzionistischen Positionen, die die intellektuelle Debatte in Palästina vor der Staatsgründung Israels bestimmt hatte. Die Wendung, die mit Strauss’ zionistischer Buber Rezeption dem Bachtinschen Dialog-Konzept die Aspekte des Nationalen hinzugefügt hat, haben deutlich werden lassen, dass Dialogphilosophie keine überholte ethische Kategorie ist, sondern eine aktuelle politische Bedeutung hat.

Dorothee Gelhard   

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