Sonderwegelagerer: Beitrag von Martin Schulze Wessel in der Süddeutschen Zeitung zum Charakter des russischen Zarenreichs

18.01.2017 (08:57)

Warum Russland seine Ex-Kolonien nicht freigibt: Eine Entgegung auf Jürgen Osterhammel

Am 17. Januar ist in der Süddeutschen Zeitung (SZ) ein Beitrag von Martin Schulze Wessel, Inhaber des Lehrstuhls für Geschichte Ost- und Südosteuropas der LMU München und Sprecher der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, erschienen. In dem Artikel mit dem Titel "Sonderwegelagerer" (http://www.sueddeutsche.de, 16.01.2017) setzt er sich kritisch mit Überlegungen zur Nationalisierung von Imperien auseinander, die der Konstanzer Globalhistoriker Jürgen Osterhammel Anfang Dezember in der SZ veröffentlicht hatte. Schulze Wessel betont, dass das russische Zarenreich ein nationalisierendes und kolonisierendes Imperium zugleich gewesen sei. Dieses Erbe wirke zudem bis in die Gegenwart hinein fort.

Jürgen Osterhammel hatte Anfang Dezember 2016 im Artikel "Großmachtlos" am Beispiel Großbritanniens, Spaniens und Russlands die Herausforderungen des Wandels von Imperien zu Nationalstaaten erörtert. Schulze Wessel hinterfragt im seiner Replik die Stichhaltigkeit der Thesen zum Charakter des russischen Imperiums und betont, dass das Zarenreich ein nationalisierendes und kolonisierendes Imperium zugleich gewesen sei. Dieser Widerspruch sei von der neuen Ordnung der Sowjetunion eher überdeckt als gelöst worden und erkläre letztlich auch die Probleme der russischen Politik und Öffentlichkeit heute.

"Das postsowjetische Russland hat sich ebenso leicht wie die einstigen westeuropäischen Imperien von seinen als kolonial betrachteten Besitzungen etwa in Zentralasien getrennt. Es bleibt für Russland schwierig, die Eigenstaatlichkeit und territoriale Integrität der Ukraine zu akzeptieren. Doch ist dies kein postkoloniales Erbe, sondern ein Problem der nationalen Selbstfindung Russlands", so Schulze Wessel.

Zum Nachlesen:

Martin Schulze Wessel: Sonderwegelagerer. Warum Russland seine Ex-Kolonien nicht freigibt: Eine Entgegung auf Jürgen Osterhammel, in: süddeutsche.de, 16. Januar 2017 / Süddeutsche Zeitung, 17. Januar 2017, S. 11.

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