Südost- und Osteuropa und die Flüchtlinge

08.03.2016 (09:55)

Interviews von Martin Schulze Wessel und Marie-Janine Calic über den Umgang mit der Flüchtlingskrise in Südost- und Osteuropa

Zum Umgang mit der aktuellen Flüchtlingskrise in Südost- und Osteuropa gaben mit Martin Schulze Wessel und Marie-Janine Calic zuletzt zwei Mitglieder der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien Radiointerviews. Am 7. März sprach Schulze Wessel in "Deutschlandradio Kultur" über die historischen Dimension osteuropäischer Flüchtlingspolitiken. Calic war bereits am 22. Februar im SWR 2 "Journal am Morgen" zu hören, als sie zu den Folgen der EU-Flüchtlingspolitik für den Balkan Stellung nahm.

Die Gesellschaften in osteuropäischen Ländern, sonst zum Teil tief gespalten, zeigen bei einer Sache große Einigkeit: Die Aufnahme von Flüchtlingen wird abgelehnt. Vor allem die Bereitschaft, Menschen muslimischen Glaubens ins Land zu lassen, sei schwach ausgeprägt, sagte der Münchner Osteuropahistoriker Martin Schulze Wessel im Deutschlandradio Kultur.

Das habe weit zurückreichende Ursachen: So würden selbst noch die Türkenkriege erinnert, als sich Länder wie Ungarn oder Polen als Bollwerk der Christenheit verstanden. "Das ist tief in den Gedächtnissen drin", betonte er. Auch der Zweite Weltkrieg spielt eine Rolle: Städte wie Lemberg oder Prag seien vor dem Krieg sehr multikulturell gewesen.

Erst durch Holocaust und Vertreibung entstanden in den Gesellschaften "homogene Verhältnisse" – und genau diese führten oft zu Fremdenfeindlichkeit. Später, als sich die Länder dann vom Sowjet-Block abspalteten, erfolgte dies vor allem unter Bezug auf die eigene Identität und Geschichte – möglicherweise ein weiterer Grund, warum Flüchtlinge in den Köpfen wenig Platz finden.

Marie-Janine Calic gab in der SWR 2-Sendereihe "Journal am Morgen" Auskunft zu den Auswirkungen der aktuellen Flüchtlingskrise für den Länder des westlichen Balkans. Viele Flüchtlinge kommen über die sogenannte Balkanroute in die EU. Manche Länder dieser Region seien mit den sich daraus ergebenden Aufgaben schlicht überfordert. Was bedeutet das für Menschen vom Balkan, die selbst gerne in einem EU-Land Aufnahme finden möchten? Calic wies auf die vielfältigen Probleme hin, die zu einer Instabilisierung ohnehin fragiler Gesellschaften der Region führen könnten.

Zum Nachhören:

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