Vortrag von Ekaterina Makhotina im Kunstverein Hamburg

15.10.2015 (13:08)

Almuna der Graduiertenschule referiert am 15.10. in Hamburg über die Belagerung Leningrads 1941-1944

Die ehemalige Doktorandin der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, Ekaterina Makhotina, referiert am 15.10.2015 im Kunstverein Hamburg über die Belagerung Leningrads 1941-1944 als katastrophalem Ereignis im politischen und gesellschaftlichen Erinnern in Deutschland und Russland.

"Es hätte nur ein Stückchen Brot gebraucht" lautet der Titel des Vortrags, der ein Symposion und die Ausstellung des Kunstprojekts "900 und etwa 26 000 Tage" eröffnet. Mit diesem Projekt wollen junge Künstlerinnen und Künstler aus Moskau, St. Petersburg und Hamburg die künstlerische Auseinandersetzung mit der Blockade Leningrads durch die deutsche Wehrmacht im Zweiten Weltkrieg anregen, die im heutigen Russland Teil des kollektiven Gedächtnisses ist, in Deutschland aber wenig diskutiert wird.

Die deutsche Strategie der Kriegsführung im Osten, die für die Einwohner der Millionenstadt Leningrad – dem heutigen St. Petersburg – den Hungertod vorsah, nahm im gesellschaftlichen Erinnern der Bundesrepublik und der Sowjetunion bzw. Russlands einen unterschiedlichen Stellenwert ein. Während in Russland und vor allem in der Stadt selbst die Erfahrung der Belagerung und die Grausamkeit des Hungertodes einen äußerst wichtigen Erinnerungsort stellte, blieb die Blockade in der deutschen Erinnerungskultur ein „Nebenkriegsschauplatz“. Bis heute hat die Erinnerung an die 1,2 Millionen Opfer in Leningrad keinen festen Platz im bundesdeutschen Erinnerungshaushalt. Zugleich wurde in der Sowjetunion über die Opfer der Blockade ausschließlich mit heroischem Unterton gesprochen. In dieser zensierten, verkürzten Geschichtserzählung blieb kein Platz für Schrecken und Trauma der humanitären Katastrophe. Der Vortrag von Ekaterina Makhotina fragt nach den Gründen für dieses lückenhafte Erinnern in Deutschland und skizziert die Eigenarten des Gedenkens an die Blockadeopfer im sowjetischen und postsowjetischen Russland.

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