Vortrag von Helena Holzberger im Kolloquium zur Osteuropäischen Geschichte an der Universität Bielefeld

15.05.2018 (10:21)

Im Rahmen des Kolloquiums zur Osteuropäischen Geschichte an der Universität Bielefeld stellt die Doktorandin Helena Holzberger am 15. Mai 2018 ihr Promotionsprojekt vor. In der von Prof. Dr. Frank Grüner geleiteten Veranstaltungsreihe spricht sie über "Moderne Visionen im Imperium. Fotografie und soziokultureller Wandel in Russland (1870-1941)".

In ihrem Promotionsprojekt untersucht Helena Holzberger "Fotografie & Russlands Orient. Koloniale und lokale Bilderwelten an der zentralasiatischen Peripherie im Diskurs der Moderne (1870-1941)". Darin beschäftigt sie sich mit der Genese der Fotografie in Zentralasien während und nach dessen Eroberung durch das russische Imperium.Das neue Medium etablierte sich schnell in der Kolonie Turkestan, auch bei der indigenen Bevölkerung. Durch die aktive Adaption der Fotografie als technische und kulturelle Neuerung wurde die Gesellschaft Turkestans verändert - die Kolonisierten waren dabei nicht nur Objekte russischer Fotografen, sondern auch aktive Akteure. Ab 1917 wurde die Fotografie im Zuge der Russischen Revolution auch an der Peripherie politisiert. In den neuen sozialistischen Republiken dokumentierten sowjetische Fotojournalisten die Modernisierung des Landes und nutzten dabei avantgardistische Stilmittel. Diese Prozesse zu analysieren und in einen (foto-)historischen Kontext einzuordnen ist eines der Ziele meiner Studie. Ein weiterer Fokus liegt auf dem diskursiven Orientbild, seinen Kontinuitäten und Brüchen über den Regimewechsel hinweg sowie den fotografischen Erscheinungsformen eines genuin russischen / sowjetischen Orientalismus. Meine Analyse gründet auf Theorien zu Imperien, Moderne und Post-Kolonialismus. Untersucht werden dabei Fotografen und politische Akteure, ihre Netzwerke, der Wissenstransfer zwischen Zentrum und Peripherie und visuelle Diskurse. Ausgewählte Fotos zudem einer qualitativen Bildanalyse unterzogen, die nach Form, Stil und Ikonographie fragt.

Prof. Dr. Frank Grüner, der in Bielefeld an der Fakultät für Geschichtswissenschaft, Philosophie und Theologie im Bereich der Osteuropäischen Geschichte arbeitet, war im Februar bereits für einen Vortrag an der Graduiertenschule in München.

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