[Workshop] Why Is There So Little Green in Czech and Slovak History?

08.07.2014 (16:17)

Ein Bericht zum Workshop: Why Is There So Little Green in Czech and Slovak History? A Workshop and Poster Session on the Horizons of Multi- and Interdisciplinary Cooperation in Environmental History

Die Umweltgeschichte hat als junge historische Disziplin einen schweren Stand in der tschechischen und slowakischen Forschungslandschaft. Um daran etwas zu ändern, hat Arnošt Štanzel, Doktorand der Graduiertenschule, zusammen mit zwei tschechischen Historikern im Mai einen Workshop organisiert, der in mehrere Initiativen mündete.

Die tschechische und slowakische Umweltgeschichte ist ein recht junger Zweig in der tschechischen und slowakischen Geschichtswissenschaft, der noch mit einigen Vorurteilen zu kämpfen hat. So hat ihr der Prager Historiker Ondřej Hudeček jüngst in der tschechischen Zeitschrift Dějiny – teorie – kritika („Geschichte –­ Theorie – Kritik“) fehlende Methoden und eine angebliche Nähe zu einer „grünen Ideologie“ vorgeworfen. Die darin offenbarte Unkenntnis über aktuelle Ansätze der Umweltgeschichte hat die drei Historiker Doubravka Olšáková (Tschechische Akademie der Wissenschaften – Institut für Zeitgeschichte), Nicholas Orsillo (Lehrstuhl für Umweltstudien an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Masaryk-Universität Brno) und Arnošt Štanzel (Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien) bewogen, einen internationalen Workshop zu dem Thema zu organisieren. Ziel war es, dem veralteten Bild entgegen zu wirken und interessierte ForscherInnen besser zu vernetzen

Am 28. März 2014 haben sich daher UmwelthistorikerInnen und ForscherInnen aus benachbarten Disziplinen, die zu tschechischer und slowakischer Umweltgeschichte arbeiten, zu einem eintägigen Workshop an der Masaryk-Universität in Brno. Im Zentrum stand dabei die Frage, warum es dieser spannende Bereich der Umweltgeschichte bei tschechischen und slowakischen HistorikerInnen bislang so schwer hat. In der Keynote Speech sprach der renommierte Umwelthistoriker Christof Mauch, Direktor des Rachel Carson Centers in München, über den aktuellen Stand der Umweltgeschichte. In der anschließenden lebhaften Diskussion besprachen die Anwesenden aktuelle Ansätze und Einschätzungen zur Zukunft der Disziplin.

Nach diesem Einstieg erörterten die knapp 30 TeilnehmerInnen des Workshops aus dem In- und Ausland mit einem der ersten tschechischen Umwelthistoriker, Leoš Jeleček, konkrete Probleme zur Position der Umweltgeschichte in Tschechien und der Slowakei . Übergreifend einigten sich die Diskutierenden darauf, dass ein übergroßer Teil der tschechischen HistorikerInnen Umweltgeschichte als ideologisierte Disziplin ansieht, weswegen sie ihr Wissenschaftlichkeit und Objektivität absprechen.

Vor diesem Hintergrund haben die Teilnehmer des Workshops drei Initiativen gestartet: Zum einen wollen sie eine Assoziation für Umweltgeschichte für Tschechien und die Slowakei gründen. Als zweiter Punkt zur Stärkung der Disziplin ist eine Sonderausgabe zu umwelthistorischen Themen in der prestigereichen Zeitschrift Soudobé Dějiny („Zeitgenössische Geschichte“) angedacht, mit dessen Redaktion die Organisatoren bereits verhandeln. Und drittens wird eine Antwort auf Ondřej Hudečeks Polemik in der Dějiny – teorie – kritika publiziert.

Der Workshop fand statt in Zusammenarbeit mit der European Society for Environmental History, des Lehrstuhls für Umweltstudien an der Fakultät für Sozialwissenschaften der Masaryk-Universität Brno, der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien, dem Rachel Carson Center, München sowie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften – Institut für Zeitgeschichte.

Arnošt Štanzel

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