Ruslan Mitrofanov, M.A.

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Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Ludwig-Maximilians-Universität München
Maria-Theresia-Straße 21
D-81675 München
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Promotionsprojekt

Die Institutionalisierung der Psychiatrie im Russisches Zarenreich: Der Fall des Kasaner Bezirkskrankenhauses als transnationale Studie

Fragen über die direkte Wirkung von Regierungsinstitutionen auf Individuen sowie deren Eindringen in die Psychose und das tägliche Leben des Individuums wurden vor 60 Jahren von Philosophen und Soziologen wie M. Foucault, E. Goffman, A. Negri und anderen gewagt aufgegriffen. Dies diente der europäischen Bewegung der Antipsychiatrie und der so genannten Liberalisierung psychischer Dienstleistungen in Italien, Deutschland, Frankreich, usw. Im heutigen Russland und besonders in Sowjetrussland, wo das Institut für Psychiatrie oft als nationale Institution fungierte - "Unterdrücker des Dissens" - wurde die Psychiatrie nicht deinstitutionalisiert und ist immer noch ein Regelkreis. Viele Probleme im Zusammenhang mit der Vermenschlichung psychiatrischer Patienten und der Verbesserung ihrer psychologischen und physischen Bedingungen in Krankenhäusern sind nach wie vor ungelöst.

In Widerspruch zu diesem historischen Hintergrund stellt das Forschungsprojekt fest, dass im Fall des Kasaner Bezirkskrankenhauses der Aufstieg der russischen kaiserlichen Psychiatrie nicht an regionale oder nationale Grenzen gebunden war, sondern in den breiteren, transnationalen Kontext von deutschen, französischen, britischen und andere europäischen Modelle der Institutionalisierung der Psychiatrie zu Beginn des 20. Jahrhunderts eingebunden war. Basierend auf Berichten aus dem Kasaner Bezirkskrankenhaus sowie anderen Sekundärquellen versucht unsere Forschung, eine neue analytische Sprache zu formulieren, um die russischen Praktiken der Institutionalisierung der Psychiatrie als nicht-nationale/grenzüberschreitende Institution zu definieren.

Es ist notwendig zu verstehen, wie der Aufbau und die Entwicklung der Institutionen der Psychiatrie im kaiserlichen Russland erfolgten, weil ihr Vermächtnis noch heutzutage in russischen psychiatrischen Krankenhäusern zu finden ist. Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten können zwischen den westeuropäischen und russischen Behandlungsmodellen festgestellt werden? Wie entstand ein Austausch zwischen den Erfahrungen von Großstädten und Provinzen beim Aufbau von Psychiatrieprojekten.

Siehe auch die Projektskizze in Newsletter Nr. 9, Wintersemester 2017/18, der Graduiertenschule

Curriculum Vitae

Geboren in Kasan (Russische Förderation). Lehramtsstudium der Geschichte an der Föderalen Universität Kasan mit Abschluss im Juni 2014 (Specialist’s degree diploma with honors). Von Januar 2013 bis Ende Juni 2014 zudem wissenschaftlicher Assistent in soziologischen Forschungsprojekt "The 'Wars of Memory' and 'Conventions of Memory' in Post-Soviet Tatarstan" an der Föderalen Universität Kasan. Gastaufenthalte an der Comenius Universität Bratislava (04/2015-07/2015), der Justus-Liebig-Universität Gießen (10/2013-01/2014 und 09/2012). November 2015 Aufnahme des Promotionsstudiums an der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien.

Auzeichnungen

  • Medaille der Russischen Akademie der Wissenschaften als Nachwuchswissenschaftler im Bereich Geschichte (für die Examensarbeit "The Institutionalization of Psychiatry in the Russian Empire: Kazan Province as a Case Study, mid-end of the 19 century").
  • Stipendium des Präsidenten der Russischen Föderation für einen Auslandsaufenthalt (Gast am Historischen Institut der Justus-Liebig-Universität Gießen, 10/2013-01/2014)
  • 1. Platz im Wettbewerb "Ad Astra per Aspera" für Studierende und Postgraduierte der Sozial- und Kulturwissenschaften an den Universitäten Tratastans (für eine Arbeit mit dem Titel "Institutionalization of psychiatry in the Russian Empire: the case of Kazan province")
  • 2. Platz im Wettbewerb der besten studentischen Forschungsarbeiten der Föderalen Universität Kasan 2013 (für die Arbeit "The Institutionalization of Psychiatry in the Russian Empire: the Case of Kazan Province (mid-end of the 19 century)

Funktionen und Mitgliedschaften

Publikationen

Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden

Stanovlenie sravnitel'noj rasovoj psihiatrii v Germanskoj i Rossijskoj imperijah (konec XIX - nachalo XX stoletija). In: Medicinskaja antropologija i biojetika 2 (10) (2017 erschienen).

The Transnational Psychiatry in the Russian Empire: the Case of Kazan Province (mid – end of the 19th century), in: Proceedings of the "Social Sciences & Medical Innovations: Doing Things Together" Conference, Tomsk 2015.

"And Aborigines too?": Genealogy of Comparative Racial Psychiatry in Imperial Germany (half-end of the 19 c.), in: Proceedings of the 47th All-Russian Scientific Student Conference at Cheboksary State University 2013.

"Including a Plague" the Birth of Disciplinary Power in Medieval Town (mid. XVIV c.), in: Proceedings of the XXXII International Conference of Students and Young Scientists "Kurbatov Readings", St. Petersburg 2012, S. 48-49.

Vorträge

2015

"Transnational Psychiatry in the Russian Empire: the Kazan District Hospital as a Case Study (end of the 19 c.)" (Workshop "Medicine and health care in late imperial and revolutonary Russia: the circulation of knowledge, practices and technologies", Europäische Universität St. Petersburg, St. Petersburg, 13.-14.11.2015).

"The Institutionalization of Psychiatry in the Russian Empire: Kazan Province as a Transnational Study" (Internationale Konferenz "Psycho-politics: The Cross-Sections of Science and Ideology in the History of Psy-sciences", Central European University Budapest, Budapest, 30.-31.10.2015).

"The Institutionalization of Psychiatry in the Russian Empire: the Case of Kazan Province as a Transnational Study" (Konferenz "Social Sciences & Medical Innovations: Doing Things Together", Tomsk, 21.-24.05.2015).

2014

Projektpräsentation (Thyssen-Seminar des Deutschen Historischen Instituts Moskau in Kooperation mit der Föderalen Universität Kazan "Transnationale Geschichte: Globale Prozesse und regionale Dynamiken, 18.-20. Jahrhundert“, Kasan, 02.-04.10.2014).

2013

"And Aborigines too? Genealogy of Comparative Racial Psychiatry in Imperial Germany (half-end 19 c.)" (Panel "Historical Knowledge" der 47. All-Russian Scientific Student Conference, Cheboksary, 09.04.2013).

2012

"The institutionalization of psychiatry in the Russian Empire: the case of Kazan Province (mid-end of the XIX century.)" (Internationale Konferenz "Science, theory and practice", Poznan, 29.-31.10.2012).

"'Including a Plague': the Birth of Disciplinary Power in Medieval Town (mid. XIV c.)" (XXXII. Internationale Konferenz für Studierende und Nachwuchswissenschaftler "The Kurbatov readings", St. Petersburg, 28.-30.11.2012).

Ruslan Mitrofanov