Social Sorting

Leitung: Prof Dr. Ger Duijzings, Prof. Dr. Rainer Liedtke

In dieser für Promovierende und Studierende der Geschichte, Anthropologie, Urbanistik sowie Politik- und Sozialwissenschaften offenen Studiengruppe untersuchen wir Prozesse und Praktiken des Social und Administrative Sorting unter Berücksichtigung historischer und anthropologischer Perspektiven. Wir verstehen Social Sorting als einen Schlüsselaspekt der Moderne, der bürokratisierte und automatisierte Kategorisierungsprozesse umfasst, die routinemäßig angewendet werden, um große Gruppen von Menschen zu lenken. Sorting-Prozesse können in vielen Zusammenhängen beobachtet werden, die das Management („Sorting Out“) von großen und komplizierten Waren-, Menschen- und Informationsströmen beinhalten. Wo diese Prozesse auf Menschen angewandt werden, erzeugen sie Formen der Inklusion und Exklusion, zum Beispiel in Bezug auf Bürgerrechte und Ansprüche auf öffentliche Dienstleistungen, humanitäre Hilfe und Wohltätigkeit. Diese Praktiken des Social Sorting tragen wesentlich zur Aufrechterhaltung der sozialen und politischen Ordnung bei: Sie entstehen aus der Anwendung von Rechtsnormen, die in Protokolle übersetzt, vereinfacht, verbessert und durch bestimmte Technologien koproduziert werden und dabei helfen, relevante Kategorien und Personengruppen zu definieren, identifizieren, profilieren und zu lenken.

Die Praxis des Sorting hat sich im Laufe der Zeit verändert, von den einfachen papierbasierten und mechanischen Formen der Vergangenheit zu den anspruchsvolleren digitalen, algorithmischen und biometrischen Techniken von heute. Sie wurden in vielen verschiedenen politischen Kontexten eingesetzt (Kolonialstaat, Nationalstaat, Sozialstaat und neoliberaler „deregulierter“ Staat), in denen sie immer wieder als Überwachungs- und Kontrolltechnologien für diskriminierende, ausgrenzende und willkürliche Praktiken von Machthabern funktionieren. Der Anstieg von Sorting-Praktiken ist nicht nur mit der Moderne verbunden, sondern auch mit den Prozessen der Globalisierung, d.h. der Zunahme der Waren-, Personen- und Informationsströmen. Sie haben in der Privatwirtschaft wie im Einzelhandel, im Bankwesen und in der Sicherheit Fuß gefasst. In dieser Arbeitsgruppe diskutieren wir die Entstehung und Entwicklung dieses Sortings, ihre sozialen und politischen Implikationen, ihre technologische Grundlage sowie ihre materiellen und räumlichen Auswirkungen.

Frühere Aktivitäten ...

Mitglieder:

Drivalda Delia, M.A.
National Resistance as a Temporary Mean of Gender Empowerment - the Reshaping of Public Sphere before, during and in the Aftermath of the Kosovo Crisis (1988-1999)

Dr. Adrian Grama
"One Very Skilled Workforce": Life Cycles in Global Trade on the East European Periphery (1970s-1990s)

Svea Lehmann, M.A.
Zwischen Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Ausschluss. Jüdische Lebenswelten in der Sowjetunion 1961-1991

Anton Liavitski, M.A.
"Auf der letzten Strecke". Die belarussische Intelligenzija und die Herausforderungen des Nationalstaats ab 1991

Oana Valentina Sorescu-Iudean, M.A.
The Evolution of Testamentary Behavior in the Case of the Transylvanian Saxons, 1550-1750

Eva-Maria Walther, M.Sc.
Tolerance and nationalism in Slovakia. How volunteers fight Slovakia’s "tolerance deficit"

Peter Wegenschimmel, Mag.
Staatlichkeit und Industrie im postsozialistischen Europa. Zwei Fallstudien zur organisationalen Resistenz bzw. zur staatlichen Lenkung in der Schiffbauindustrie

Ehemalige Mitglieder:

Dr. Čarna Brković

Maren Hachmeister, M.A.

Dr. Friederike Kind-Kovács

Dr. Irina Morozova

PhDr. Jaromír Mrňka

Dr. Karina Shyrokykh

Katalin Tóth, M.A.

Andrey Vozyanov, M.A.