Sommerschule 2015

"(Post) Imperial Turns" lautete das übergeordnete Thema der diesjährigen Sommerschule, welche die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in die kirgisische Hauptstadt Bischkek führte. Da Zentralasien für viele noch weitgehend unbekannt war, können wir uns an einen besonders eindrucksvollen Aufenthalt erinnern.

Das vielseitige Programm ermöglichte es uns, "(Post) Imperial Turns" unter besonderer Berücksichtigung Bischkeks bzw. Kirgisistans zu betrachten. Hierzu bildeten wir drei Arbeitsgruppen, die interdisziplinär zusammengesetzt waren und sich mit den Themen "Visionen und Repräsentationen", "Internationale bzw. interimperiale Kontexte" oder "Märkte und Menschen" beschäftigten. Zusammen mit Studierenden des Elitestudiengangs Osteuropastudien sowie Studierenden und Promovierenden der Kirgisischen Staatlichen I. Arabaev Universität konnten wir dabei profunde Erkenntnisse gewinnen. Ergänzt wurden unsere theoretischen Diskussionen durch eine Stadtführung, die unter dem Gesichtspunkt "Utopian History of Bishkek" stand und uns über das sowjetische architektonische Erbe der Stadt informierte. Hinzu kamen Abendvorträge, Museums-, Basarbesuche und ein Ausflug in die nähere Umgebung.

Angesichts der bevorstehenden Parlamentswahlen in Kirgisistan Anfang Oktober 2015 gelang es Dr. Beate Eschment (HU Berlin) mit ihrem Vortrag "Keine Demo­kratie in Kirgistan – was dann?" und Dinara Oshurakhunova von der NGO "Coalition for Democracy and Civil Society", die sich unter anderem mit Wahlbeob­achtung beschäftigt, uns für aktuelle Probleme des Landes zu sensibilisieren. Dadurch erhielten wir nicht nur Informationen über das politische System Kirgi­sistans, sondern erfuhren zugleich etwas über Heraus­forderungen und Chancen, Ängste und Hoffnungen, welche die Menschen in diesem Land bewegen. Erwäh­nenswert ist zudem unser Zusammentreffen mit Emil Umetaliev, einem erfolgreichen kirgisischen Unternehmer, der uns aufschlussreiche Einblicke in seine wirtschaftlichen und politischen Aktivitäten seit dem Zerfall der Sowjetunion geben konnte.

Den Abschluss unseres Aufenthalts bildeten der Besuch der Gedenkstätte für die Opfer des Stalinismus "Ata Beyit" und die sich anschließende Wanderung in Teplye Kluchi, nach der wir ein letztes Mal in den Genuss der kirgisischen Küche kommen durften.

Insgesamt hat die Sommerschule mit Hilfe ihrer Kombination aus theoretischer und praktischer Wissensaneignung entschieden dazu beigetragen, unser Verständnis von Kirgisistan zu erweitern und mitunter auch zu revidieren.

Kathleen Beger