Svea Lehmann, M.A.

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Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien
Ludwig-Maximilians-Universität München
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Promotionsprojekt

Zwischen Zugehörigkeit und gesellschaftlichem Ausschluss. Jüdische Lebenswelten in der Sowjetunion 1961-1991 (Arbeitstitel)

Dieses Dissertationsprojekt untersucht divergierende Konzeptionen von Jüdischsein und damit einhergehende kulturelle Selbstverortungen in der späten Sowjetunion. Jüdische Lebenswelten in der Sowjetunion werden mit Blick auf gesamtgesellschaftliche Entwicklungen und eingebettet in ihren transnationalen Kontext in der Phase zwischen 1961 und 1991 beleuchtet. Das Promotionsvorhaben ist methodisch in der Kulturgeschichte angesiedelten und fragt nach historischer Herkunft, Ausgestaltung und Funktion verschiedener jüdischer Selbst- und Fremdvorstellungen. Diskursanalytisch wird eine von wachsender Heterogenität und abnehmender sozialer Mobilität geprägte Phase auf sich verändernde Sagbarkeitsregime und kulturelle Ortszuschreibungen untersucht. Mittels einer multiperspektivischen Analyse außenpolitischer Rahmenbedingungen, sowjetischer Innenpolitik, Fremdzuschreibungen und jüdischen Selbstverortungen will das Forschungsvorhaben zum Verständnis von gesellschaftlichen Neuverhandlungen und Selbstvergewisserungspraxen in der späten Sowjetunion beitragen. Mit dem Blick auf divergierende jüdische Lebenswelten lässt sich die permanente Aushandlung von sozialen Normen durch die Verhandlung von Minoritäten ausloten. So können unter der Oberfläche liegende gesellschaftliche Veränderungen rekonstruiert werden. Um die Gleichzeitigkeit von gesellschaftlichen Inklusions- und Exklusionsmechanismen herausarbeiten zu können, gilt es sowohl die Loyalitätsrituale integrierter jüdischer Eliten zu reflektieren, als auch das individuelle Aufkündigen der Zugehörigkeit zur Sowjetunion zu untersuchen.

Curriculum Vitae

2010-2013 Bachelorstudium der Geschichtswissenschaft an der Universität Bremen. Anschließend Studium des Masters "Geschichte und Politik des 20. Jahrhunderts" an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Abschluss im Sommer 2016 mit einer Masterarbeit zum Thema "Die Israelitische Gartenbauschule zu Ahlem – Erziehungskonzept, Schulpraxis und Lebenswirklichkeit 1893-1933". Juli 2011 bis Februar 2013 Studentische Hilfskraft im Forschungsprojekt "Graben für Germanien – Archäologie unter dem Hakenkreuz" am Focke-Museum Bremen. Im Frühjahr 2013 Mitarbeit an der Ausstellung "Auf den Strömen der Erinnerung" im Niedersächsischen Landtag in Hannover zu Lagererfahrungen in der Sowjetunion. Stipendiatin des Go-East- Programms des DAADs 2014 und 2015. September bis Dezember 2015 Gastwissenschaftlerin am Leo Baeck Institute Jerusalem for the Study of German and Central European Jewry, gefördert durch das PROMOS-Programm der Universität Jena. Von Juni bis August 2016 Mitarbeit bei der Menschenrechtsorganisation Memorial Perm, Perm, Russische Föderation. Anschließend für sechs Monate Trainee bei Human Search, Sankt Petersburg, Russische Föderation, im Rahmen des Programms Russland in der Praxis des DAADs. Von Mai bis Oktober 2017 Wissenschaftliche Hilfskraft am Historischen Institut – Abteilung für Osteuropäische Geschichte an der Universität zu Köln. Seit November 2017 Promotionsstipendiatin der Graduiertenschule für Ost- und Südosteuropastudien in München.

Funktionen und Mitgliedschaften

Publikationen

Aufsätze in Zeitschriften und Sammelbänden

Zus. mit Benedikt Funke: Auf den Spuren der Vergangenheit. Eine Reise ins gegenwärtige Russland. In: Avalist. Zeitung am Historischem Seminar 45, 2014, S. 42-44.

Bericht über Angelina Bushueva (*1936). In: Hendrik Berthold / Friedrich Huneke (Hgg.): "Auf den Strömen der Erinnerung..." – Kriegsgefangenschaft und Gulag im russischen und deutschem Gedächtnis, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Leibniz Universität Hannover 2013, S. 72-75.

Bericht über Zelma Germanovna Chebykina. In: Hendrik Berthold / Friedrich Huneke (Hgg.): "Auf den Strömen der Erinnerung..." – Kriegsgefangenschaft und Gulag im russischen und deutschem Gedächtnis, Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V. Leibniz Universität Hannover 2013, S. 78-81.

Vorträge (Auswahl)

2017

Sommerschule "Rekonstruktion eines Chronotops. Das ehemalige Straflager Stvor als Raum des sowjetischen Strafvollzugs", Perm, 29. Juli bis 15. August 2017 (Konzeption und Organisation zus. mit Benedikt Funke, Julia Buschmakowa und Vladimir Mirkin).

2016

Nachwuchsworkshop "Nationen, Minoritäten und Menschenrechte. Zur Geschichte des Politischen im 20. Jahrhunderts", Friedrich-Schiller-Universität Jena, Juni 2016 (Konzeption und Organisation zus. mit Benedikt Rothhagen und Robert Pursche).

"Zwischen Welten. Osteuropäische Juden in der Israelitischen Gartenbauschule zu Ahlem" (Oberseminar für Osteuropäische Geschichte an der Universität zu Köln, Juni 2016).

2015

"Die Erdung des Menschen. Zum Erziehungskonzept der Israelitischen Gartenbauschule zu Ahlem" (Workshop "Politisierte Landschaften: Zionistische Perspektiven", Ludwig-Maximilians-Universität München, Mai 2015).

"The Ahlem Jewish Gardening School. Idea, Educational Concept and Lifeworld" (Workshop "German and European Studies as Area Studies – An Academic Discipline" der Hebrew University of Jerusalem und der University of Haifa, Dezember 2015).

Svea Lehmann, M.A.